Die Digitalisierung oder auch die „Digitale Transformation“ kann die Rolle des Patienten durch den
Einsatz verschiedener digitaler Tools im Klinik- oder Praxisalltag entscheidend verändern. Wichtig ist
es, dem Patienten zur richtigen Zeit die richtigen Informationen mithilfe des passenden Tools an die
Hand zu geben. Doch woher weiß ich, wann der Patient auf der Suche nach welchen Informationen
ist?
Für die Entwicklung verschiedener digitaler Tools ziehen wir daher für unsere strategischen
Überlegungen zunächst die sogenannte Patient oder auch Disease Journey heran. Die Patient
Journey bezeichnet die Reise des Patienten durch verschiedene Phasen der Erkrankung vom
Auftreten erster Symptome bis über die gesamte Behandlung hinweg. Der Patient durchläuft die
verschiedenen Phasen in unterschiedlicher Dauer und Intensität und reagiert und agiert
unterschiedlich in jeder dieser Phasen. Gemeinsam haben alle Patienten das Bedürfnis, sich über
ihren Zustand, die Erkrankung, Behandlungsmöglichkeiten und –optionen sowie Chancen und Risiken
zu informieren. Hierfür stehen den Patienten viele Kanäle und Möglichkeiten zur Verfügung, die
Herausforderung ist es, zum richtigen Zeitpunkt der Patient Journey die passenden Informationen zu
erhalten.
Häufig erarbeiten wir in Workshops mit Ärzten und Patienten die sogenannten Leverage Points bzw.
Meilensteine dieser Reise gemeinsam, um zu ermitteln, an welchem Punkt der Reise der Patient
welche Informationen benötigt.
Je nachdem, an welchem Meilenstein seiner Reise sich der Patient befindet, benötigt er individuell
passende Informationen, die in erster Linie Wissen vermitteln und bei der Entscheidungsfindung
unterstützen sollen. Die Individualisierung ist vor allem deshalb von Bedeutung, da Patienten logischer
Weise unterschiedliche Wissensstände aufweisen.
Darüber hinaus muss auch der behandelnde Arzt einbezogen werden – in einigen Fällen sind es
sogar mehrere Ärztekontakte oder ein Klinikaufenthalt, die berücksichtigt werden müssen. Dabei
spielen nicht nur die adäquate Vor- und Nachbereitung des Praxis- oder Klinikbesuchs eine Rolle,
sondern auch unterstützende Maßnahmen für die Arzt-Patienten- Kommunikation. Gezielte und valide
Wissensvermittlung bereitet den Patienten vor und entlastet dadurch auch den behandelnden Arzt.
Besonders relevant wird dies, wenn der Patient eine komplizierte oder auch langwierige Therapie vor
sich hat und erstmals mit Begleitumständen wie z.B. dem Nebenwirkungsmanagement konfrontiert
wird. An dieser Stelle ist es wichtig, den Patienten in die Therapieentscheidung mit einzubeziehen und
ihn umfassend aufzuklären, sodass er gemeinsam mit dem Arzt eine fundierte Wahl treffen kann. Die
Informationen müssen einfach und verständlich sein und dürfen auch für den Arzt keinen

Mehraufwand bedeuten – im Gegenteil. So können in dem Fall detaillierte Gegenüberstellungen von
Behandlungsoptionen in Form einer Infografik oder eine Website mit informativen Videos hilfreich
sein.
Die Patient Journey rückt den Patienten in den Mittelpunkt und fokussiert eine patientenzentrierte
Kommunikation, sodass er zum Mitentscheider wird und nicht nur passiver Leistungsempfänger ist.
Der Einsatz digitaler Tools, die dieses Prinzip berücksichtigen, unterstützen den Patienten und auch
den Arzt in der gemeinsamen Entscheidungsfindung und geben eine Orientierung im „Online-
Dschungel“. Das Ziel der Patient Journey ist es also, die kritischen Punkte an den einzelnen
Meilensteinen der Patient Journey im Vorwege zu identifizieren und Patienten sowie Ärzte auf dem
Weg optimal zu unterstützen.